Aktuelles

Katarina Witt und Frank Elstner

Welt-Parkinson-Tag 2022 mit Frank Elstner und Katarina Witt

 220412 elstner wittBild: Parkinson Stiftung

Prominente Gäste beim digitalen Welt-Parkinson-Tag 2022 der Parkinson Stiftung: Entertainer und TV Moderator Frank Elstner, selbst an Parkinson erkrankt, wurde für seinen offenen Umgang mit der Erkrankung und sein mutmachendes und motivierendes  Engagement als Botschafter für Menschen mit Parkinson mit dem Muhammad Ali Gedächtnispreis ausgezeichnet. „Ich werde auch weiterhin meine Prominenz dafür nutzen, über diese oft verschwiegene unheilbare Nervenkrankheit zu sprechen. Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen und die vielversprechenden Fortschritte der Parkinson-Forschung unterstützen“, sagte er auf der Veranstaltung und sprach er live mit inspirierenden mit Menschen, die wie er mit der lebensveränderten Diagnose Parkinson leben.

Katarina Witt, zweifache Olympiasiegerin und viermalige Weltmeisterin im Eiskunstlauf, diskutierte in der Expertenrunde "Sport und Parkinson" mit Sportmedizinern und motivierte Betroffene, durch Bewegung selbst aktiv zu werden, um Parkinson-Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Wissenschaftler:innen informierten über neueste Forschungsergebnisse rund um die Nervenkrankheit.

Frank Elstner, der sich auch seit vielen Jahren dafür einsetzt, die Parkinson-Forschung durch private Spenden zu fördern und voranzutreiben, spendete das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro an die Parkinson Stiftung.

Eine Aufzeichnung vom digitalen Welt-Parkinson-Tag gibt es unter www.welt-parkinson-tag.org

Mehr dazu lesen und hören können Sie auch hier:

www.zeit.de

www.radioeins.de

Online-Veranstaltung zum Welt-Parkinson-Tag

Die International Parkinson and Movement Disorder Society (MDS) richtet zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April ein digitales Format ein, das sich sowohl an Professionals als auch an Patienten richtet.

Welt-Parkinson-Tag: Frank Elstner erhält den Muhammad Ali Gedächtnispreis – Katarina Witt motiviert und macht Mut

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Steife Muskeln, verlangsamte Bewegungen, zitternde Hände – Morbus Parkinson betrifft rund 400.000 Menschen in Deutschland. Der Entertainer und TV-Moderator Frank Elstner, selbst an Parkinson erkrankt, klärt seit vielen Jahren über die unheilbare Nervenerkrankung auf und wirbt als Botschafter der Parkinson Stiftung für die Förderung der Forschung durch private Spenden. Für den offenen und ehrlichen Umgang mit seiner Erkrankung und das besondere Engagement, mit dem er Betroffenen Mut macht, ihr Leben aktiv zu gestalten, wurde er am 6. April 2022 mit dem Muhammad Ali Gedächtnispreis der Deutschen Parkinson Hilfe geehrt. Der Preis erinnert an den Profi-Boxer, der seit den 80er Jahren gegen Parkinson kämpfte. Auf dem anschließenden digitalen Welt-Parkinson-Tag sprach Frank Elstner live mit Menschen, die sich ebenfalls im Kampf gegen die Erkrankung engagieren und aufzeigen, wie sie ihr Leben meistern – gesundheitlich, beruflich und persönlich. Ein weiterer prominenter Gast war die zweifache Olympiasiegerin und viermalige Weltmeisterin im Eiskunstlauf, Schauspielerin und Stifterin Katarina Witt. Sie motivierte Betroffene, durch Sport und Bewegung selbst aktiv zu werden. Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen präsentierten Neues aus der Parkinson-Forschung.

Fight Parkinson FE

„Ich werde auch weiterhin meine Prominenz dafür nutzen, über diese oft verschwiegene unheilbare Nervenkrankheit zu sprechen. Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen und die vielversprechenden Fortschritte der Parkinson-Forschung unterstützen“, betonte Frank Elstner, der das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro an die Parkinson Stiftung spendet. Auf dem digitalen Welt-Parkinson-Tag sprach er live mit Menschen, die wie er mit der lebensverändernden Diagnose Parkinson leben: Das Gründerduo der Yuvedo Foundation, Jens Greve und Dr. Jörg Karenfort, hat eine Stiftung ins Leben gerufen, die mit eigenen Projekten, Veranstaltungen und Partnerschaften die Lebensbedingungen für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen verbessert und einen Beitrag zur Heilung leistet. Kathrin Wersing, selbst bereits mit 40 Jahren an Parkinson erkrankt, spricht in ihrem Podcast „Jetzt erst recht! Positiv leben mit Parkinson“ mit Menschen, die auf vielfältige Weise mit der Erkrankung umgehen. Stefan Berg, Journalist und Autor des Buches „Zitterpartie“, wirbt in Lesungen und Interviews öffentlich für mehr Toleranz und Verständnis für Menschen mit Parkinson.

Private Spenden für einen Durchbruch in der Parkinson-Therapie

Die Parkinson-Forschung hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert. Heute ist es möglich, die Symptome zu lindern und gut mit der unheilbaren Erkrankung zu leben. Den aktuellen Stand der Wissenschaft beleuchteten renommierte Expert:innen im Wissensforum für Laien. Prof. Brit Mollenhauer, Chefärztin der Paracelsus Elena Klinik in Kassel, erklärte, wie Biomarker zur Frühdiagnose der Parkinson-Krankheit beitragen können. Prof. Günther Deuschl, renommierter Neurologe und Senior Professor an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel, präsentierte neue Erkenntnisse zu symptomatischen Therapien. Prof. Rejko Krüger, Direktor für Transversale Translationale Medizin am Luxembourg Institute of Health (LIH), machte deutlich, welche Therapien in Aussicht sind, um die Parkinson-Krankheit zu verlangsamen oder zu stoppen. Dabei wurde deutlich: Es gibt begründete Hoffnung, dass mit neuen genetischen und molekularen Methoden schon bald ein Durchbruch in der Parkinson-Therapie gelingen könnte. Doch für einen schnellen medizinischen Erfolg ist die Parkinson-Forschung auf private Spenden und nicht staatliche oder nicht industrielle Förderung angewiesen. Aus diesem Grund wollen Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) und die von ihr gegründete Parkinson Stiftung dazu motivieren, vielversprechende Forschungsansätze durch private Spenden zu fördern. „Ob einmal oder regelmäßig, ob als Geschenk oder Nachlass – jede Spende bringt die Erforschung der Parkinson-Krankheit einen weiteren Schritt voran und hilft Betroffenen“, betonte Frank Elstner.

Motivation mit Katarina Witt: selbst aktiv im Kampf gegen Parkinson

Das kann auch Katarina Witt bestätigen: Die zweifache Olympiasiegerin und viermalige Weltmeisterin im Eiskunstlauf, hat im Jahr 2005 eine Stiftung für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Beeinträchtigungen gegründet und dank zahlreicher Spenden seither bundes- und weltweit mehr als 800 Projekte unterstützt. Die Spitzensportlerin hat es mit Leidenschaft, Kraft und Zuversicht bis ganz nach oben geschafft. Beim digitalen Welt-Parkinson-Tag gab sie ihre Erfahrungen weiter und motivierte die Betroffenen, trotz großer Einschränkungen im Alltag nicht aufzugeben und vor allem: selbst aktiv zu werden. Bewegung und Ausdauersport können bei Parkinson die Symptome lindern, die psychische Gesundheit verbessern und in einem Frühstadium das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, zeigen verschiedene Studien. In der Live-Gesprächsrunde „Sport und Parkinson“ diskutierte Katarina Witt mit Prof. Claus Reinsberger, Leiter des Lehrstuhls für Sportmedizin am Department Sport & Gesundheit der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Paderborn, mit dem Sportwissenschaftler André Inthorn und mit Prof. Martin Südmeyer, Chefarzt und Leiter der Klinik für Neurologie am Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam und Vorsitzender der Thiemann Stiftung.

Abgerundet wurde der digitale Welt-Parkinson-Tag mit einer Live-Sport-Session sowie einer Expertenlounge für allgemeine Fragen rund um Parkinson und Pflege. Die Veranstaltung wurde von der Parkinson Stiftung anlässlich des Welt-Parkinson-Tags organisiert, der weltweit am 11. April stattfindet. Partner sind die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Hirnstiftung und die Thiemann Stiftung.

Wer beim diesjährigen digitalen Welt-Parkinson-Tag nicht live dabei war, kann die Veranstaltungen als Aufzeichnung auf www.welt-parkinson-tag.org ansehen. Weitere Informationen zur Parkinson Stiftung und zu den Möglichkeiten, die Parkinson-Forschung mit einer Spende zu unterstützen finden Sie auf: www.parkinsonstiftung.de

Pressemitteilung als PDF

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG)
c/o albertZWEI media GmbH
Dipl.-Biol. Sandra Wilcken
Tel.: +49 (0) 89 46148611; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Die Parkinson Stiftung setzt darauf, über die Krankheit umfassend zu informieren und die weitere Erforschung möglicher Therapieformen voranzutreiben. Die Stiftung wurde 2019 von der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. gegründet. Ihr Sitz ist in Berlin. www.parkinsonstiftung.de

Parkinson verstehen und stoppen: Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen fördert Wissenschaft und Nachwuchs mit Preisen in Höhe von 310.000 Euro

Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) hat auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022 mehrere Preise zur Förderung vielversprechender Forschungsprojekte in Höhe von insgesamt 310.000 Euro verliehen. Drei junge Forscherinnen und Forscher erhielten im Rahmen der Nachwuchsförderung jeweils 100.000 Euro, um die unabhängige Durchführung ihrer Projekte zu ermöglichen. Vier weitere wurden für ihre abgeschlossenen Arbeiten mit dem DPG-Wissenschaftspreis geehrt, der mit jeweils 2.500 Euro dotiert ist. Als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft ist es das Ziel der DPG, den Fortschritt der Parkinson-Forschung voranzutreiben und zur Entwicklung neuer, verbesserter diagnostischer Methoden und Therapien beizutragen. Die DPG finanziert sich ausschließlich durch Spenden, die Preise wurden von der DPG ohne weitere Partner gestiftet.

DPG für Website

Der Deutsche Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022 wurde pandemiebedingt per
Livestream übertragen. Vier von sieben Preisträger:innen haben am Preisträgersymposium
teilgenommen und wurden via Bildschirm geehrt. Oben, von links nach rechts: die Vorsitzenden des
Symposiums, Prof. Carsten Eggers und Prof. Günter Höglinger (Kongresspräsident), Preisträgerin Dr.
Josefine Waldthaler. Unten, von links nach rechts: die Preisträger:innen Dr. Lea Krey, Dr. Stephan
Greten und Dr. Kevin Peikert.

„Mit der DPG-Nachwuchsförderung wollen wir die Unabhängigkeit junger Wissenschaftler:innen bei der Durchführung ihrer Projekte gewährleisten. Aufgrund der Vielzahl spannender Bewerbungen haben wir drei statt zwei besonders interessante Forschungsprojekte ausgewählt“, sagt Prof. Günter Höglinger vom DPG-Vorstand. Mit je 100.000 Euro ausgezeichnet wurden:

  • Dr. med. Kevin Peikert, Rostock (LipiSYN: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Störungen der Membranlipiddynamik und der α-Synuclein-Proteostase)
  • Dr. med. Josefine Waldthaler, Marburg (Longitudinal Changes in Performance Monitoring for Detection of Medication-induced Impulsivity in early Parkinson’s Disease)
  • Dr. med. Isabel Friedrich, Leipzig (Predicting outcome of cerebrospinal fluid shunt surgery from EMG and kinematic pattern analysis in patients with normal pressure hydrocephalus: A machine learning approach)

Parkinson-Forschung durch innovative Ideen bereichern

Der DPG-Wissenschaftspreis ist mit je 2.500 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre verliehen und prämiert abgeschlossene Arbeiten aus der klinischen und grundlagenorientierten Forschung zum Parkinson-Syndrom, die der Ursachenklärung, der Verbesserung diagnostischer Methoden und der Entwicklung neuer und verbesserter Therapien dienen. Nachwuchswissenschaftler:innen werden besonders berücksichtigt. In einem strukturierten Auswahlverfahren konnten sich folgende Kandidat:innen durchsetzen:

  • Dr. med. Alexander Böcker, Berlin (Increased LRRK2 kinase activity alters neuronal autophagy by disrupting the axonal transport of autophagosomes)
  • Dr. med. Mareike Fauser, Rostock (Subthalamic nucleus deep brain stimulation induces sustained neurorestoration in the mesolimbic dopaminergic system in a Parkinson’s disease model)
  • Dr. med. Stephan Greten, Hannover (Safety and Tolerability of Pharmacotherapies for Parkinson’s Disease in Geriatric Patients)
  • Dr. med. Lea Krey, Hannover (Patientensicherheit aus der Dose: Implementierung und Evaluation der Notfalldose für geriatrische, polypharmazierte PatientInnen zur Verbesserung von Therapiesicherheit und Patientenautonomie)

„Die eingereichten Forschungsprojekte haben uns durch hohe fachliche Qualität, eine beeindruckende methodische Vielfalt und einen ausgesprochenen wissenschaftlichen Innovationscharakter überzeugt. Wir wünschen den Preisträgerinnen und Preisträgern viel Erfolg bei ihren Projekten und ermutigen weitere Kandidatinnen und Kandidaten, sich mit innovativen Forschungsvorhaben zu bewerben“, sagt Prof. Höglinger.

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Ankündigung: 17th World Congress on Parkinson´s Disease and Related Disorders

Der 17th World Congress on Parkinon´s Disease and Related Orders findet in diesem Jahr vom 1. bis 4. Mai in Prag statt. Die International Association of Parkinsonism and Related Disorders (IAPRD) lädt herzlich ein und freut sich auf Ihre Teilnahme. 

Ausschreibung Forschungspreis Parkinson-Tremor – Jetzt bewerben!

Die Parkinson Stiftung prämiert wissenschaftlich fundierte Konzepte zur symptomatischen Therapie des Parkinson-Tremors, die eine Alternative zur tiefen Hirnstimulation darstellen könnten und hat dafür den Forschungspreis Parkinson-Tremor ausgeschrieben.

Mutierte Gene – fehlgefaltete Proteine – synaptische Netze: Welcher Ansatz verspricht die Heilung von Morbus Parkinson?

Aufgrund der hohen phänotypischen Variabilität der Parkinson-Erkrankung gewinnen molekulare und strukturelle Erkenntnisse über die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen immer mehr an Bedeutung. „Während frühere Krankheitskonzepte von einem eher einheitlichen klinischen Verlauf ausgingen, zeigen neuere Kohortendaten, dass klinische Phänotypen und Krankheitsverläufe bei Menschen mit idiopathischen und atypischen Parkinson-Syndromen auch innerhalb der verschiedenen Krankheitsentitäten tatsächlich stark variieren“, sagte Prof. Günter Höglinger, Kongresspräsident und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) aus Hannover, auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022. Genotypisierungen und entsprechende Analysen der Genexpressionsprofile liefern wichtige Hinweise auf den zu erwartenden Krankheitsverlauf und auf neue, zielgerichtete Therapieansätze.

Parkinson-Demenz und -Progression: neue Risiko-Genloki aufgedeckt

Etwa 30 bis 40 Prozent der Parkinson-Betroffenen entwickeln im Lauf der Zeit eine Parkinson-Demenz. Sie zählt zu den schwerwiegendsten Manifestationen mit dem größten Einfluss auf die Lebensqualität. Bisher sind keine therapeutischen Ansätze verfügbar, die die zugrunde liegende Neuropathologie verlangsamen, die vom Hirnstamm zum Cortex fortschreitet und klinisch mit der Progression von motorischen und anderen kognitiven Symptomen korreliert. „Die Anwendung moderner molekulargenetischer Ansätze hat in den letzten zehn Jahren verschiedene Risiko-Genloki identifiziert. Hierzu zählen RIMS2, TMEM108, WWOX, APOE und GBA, die im Zusammenhang mit der Anfälligkeit für Parkinson-Demenz und -Progression stehen“, erklärte Höglinger. [1] Indikatoren für eine schnellere Progression der Parkinson-Erkrankung sind beispielsweise auch höhere ADL-Scores (Activities of Daily Living, Verfahren zur Messung der Alltagskompetenz) und Symptome wie Freezing (plötzlich eintretendes, unvorhersehbares „Einfrieren“ von Bewegungen) und Steifheit bei Diagnosestellung, ergänzte der Experte. [2]

Genetische Vielfalt: GBA-Varianten an der Pathologie beteiligt

GBA-Varianten stehen zudem in Zusammenhang mit der Entstehung von behandlungsbedingten Komplikationen (z. B. „Wearing-off“-Effekte, Dyskinesien), Schlafanomalien wie Tagesschläfrigkeit und veränderten REM-Schlafmustern sowie motorischen Defiziten. Varianten des LRRK2-Gens begünstigen neben GBA ebenfalls das Fortschreiten von motorischen Symptomen. „Die Vielfalt der veränderten Genloki spielgelt auch die Vielfalt der Parkinson-Krankheit wider. Sie können in verschiedenen Kombinationen und Mutationen unterschiedliche Phänotypen mit unterschiedlichen Progressionsraten hervorbringen“, so die Einschätzung von Höglinger. [3]

Phänotypische Variation durch Ablagerung fehlgefalteter Proteine

Im Bereich der neurodegenerativen, kognitiven Veränderungen bei Morbus Parkinson rücken zunehmend Fehlfaltungen von Proteinen bei Tauopathien und Synucleinopathien in den Fokus der Forschung. Tauopathien gehen mit abnormen Filamentstrukturen des Tau-Proteins einher, die sich in Neuronen und Gliazellen ablagern. Die Ablagerungen führen zu einer fortschreitenden Funktionsstörung und zu Hirnatrophie. Treibermutationen beeinflussen Genexpressionsmuster und somit die Struktur von Proteinen. So ist beispielsweise die Entstehung der kortikobasalen Degeneration (CBD) – eine langsam-progrediente, neurodegenerative Erkrankung, die zu den atypischen Parkinson-Syndromen zählt – unter anderem mit Mutationen im Tau-Gen auf Chromosom 17 (MAPT-H1c-Haplotyp) assoziiert. Leitsymptome der CBD sind eine asymmetrisch auftretende Hypokinesie und Rigidität mit schlechtem Ansprechen auf L-Dopa sowie eine einseitige Apraxie der Extremitäten. „Mittlerweile werden Tauopathien je nach veränderter Filamentstruktur unterschiedlich klassifiziert, was zur gesicherten klinischen Diagnose und Identifizierung neuer Entitäten nützlich ist“, erläuterte der Experte. [4] Ähnlich wie Tau-Filamente können sich auch die Strukturen von α-Synuclein-Filamenten bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson unterscheiden. Die Synucleinopathie ist gekennzeichnet durch intrazelluläre Ablagerungen fehlgefalteter α-Synuclein-Filamente in Nerven- und Gliazellen. „Da die pathologischen Strukturen und Subtypen von α-Synuclein-Filamenten bei Morbus Parkinson noch nicht so detailliert aufgeklärt wurden, wird hierzu derzeit rege geforscht“, schilderte Höglinger. Die Konnektom-Forschung wird die Erkenntnisse zu den Protein-Fehlfaltungen von Tauopathien und Synucleinopathien aufgreifen und dahingehend untersuchen, inwieweit Nervenzellverbindungen die Ausbreitung von pathologischen Protein-Aggregaten kanalisieren. [5]

„Die neuen Erkenntnisse zu den genetischen und molekularen Krankheitsmechanismen und Ursachen heterogener Verläufe neurodegenerativer Krankheiten werden dazu beitragen, individuelle Therapieansätze ausfindig zu machen, die für ganz bestimmte Erkrankungssubtypen infrage kommen. Dieser Trend wird der personalisierten Diagnose und Therapie bei Morbus Parkinson neue Möglichkeiten eröffnen“, schlussfolgerte Höglinger.

Referenzen:

1 Liu G, Peng J, Liao Z, et al. Nat Genet. 2021;53(6):787-793.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33958783/
2 Bartl M, Dakna M, Schade S, et al. J Parkinsons Dis. 2022;12(1):437-452.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34719511/
3 Iwaki H, Blauwendraat C, Leonard HL, et al. Neurol Genet. 2019,15;5(4):e354.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31404238/
4 Shi Y, Zhang W, Yang Y, et al. Nature. 2021;598(7880):359-363.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34588692/
5 Schweighauser M, Shi Y, Tarutani A, et al. Nature. 2020;585(7825):464-469.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32461689/

Informationen für die Medien

Mehr zum Thema „Variabilität in Phänotyp und Progression bei Parkinson-Syndromen: Neurobiologische Ursachen und therapeutische Optionen“ erfahren Sie am Donnerstag, 24.3., von 10:30–12:00 Uhr im Präsidentensymposium unter Leitung von Prof. Höglinger (Hannover), Kongresspräsident, und Prof. Alexander Storch (Rostock), erster Vorsitzender der DPG. https://www.dpg-akbont-kongress-2021.de/programm/plenarsitzungen.html

Online-Pressekonferenz der DPG am Mittwoch, 23. März, von 10–11 Uhr
Informationen zu Programm und ReferentInnen und Akkreditierung unter https://parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice. Gerne nehmen wir Sie auch in unseren Presseverteiler auf. Über die Kongresswebsite www.dpg-akbont-kongress-2021.de können Sie sich zusätzlich kostenlos für den virtuellen Kongress registrieren. Gerne vermitteln wir Interviews und stellen druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder Zusendung eines Belegs.

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Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG)
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Tel.: +49 (0) 89 46148622; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Klinische und molekulare Vielfalt der Parkinson-Krankheit(en): Brauchen wir neue Diagnosekriterien?

Morbus Parkinson ist eine chronische degenerative Nervenerkrankung, die zum Zeitpunkt des Auftretens individuell variabler Symptome meist bereits seit Jahren oder Jahrzehnten besteht. Um rechtzeitig entsprechende Therapien beginnen zu können, muss Parkinson früh erkannt und klar diagnostiziert werden. Im klinischen Alltag haben sich die internationalen Diagnosekriterien der UK Parkinson’s Disease Society Brain Bank (1998) und der International Movement Disorder Society (MDS, 2015) bewährt. Sie beruhen jedoch allein auf dem Vorliegen motorischer Symptome sowie dem positiven Ansprechen auf die Dopamin-Vorstufe L-Dopa. „Dabei weist in den letzten 10 Jahren eine zunehmende Zahl gut belegter Studien darauf hin, dass bereits zum Diagnosezeitpunkt die Anzahl nicht motorischer Symptome eine erhebliche Rolle spielt“, erklärte Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder, Leiterin des Kompetenznetzwerks Parkinson und Bewegungsstörungen an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel sowie Past-Präsidentin der MDS, anlässlich des Deutschen Kongresses für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022. Zudem haben neue Erkenntnisse zu potenziellen Biomarkern sowie genetischer Prädisposition und die Optimierung bildgebender Verfahren wie Magnetresonanztomographie wesentlich zur Früherkennung und Prognoseabschätzung beigetragen. „Wir müssen daher die Diagnosekriterien erweitern, um sogenannte Biomarker einzubeziehen und die Variabilität unter den Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen.“

Parkinson-Diagnose: nicht motorische Symptome stärker berücksichtigen

Für die Diagnose der Parkinson-Krankheit sind motorische Symptome wie Bewegungsverlangsamung oder kleiner werdende Bewegungen (Akinese), Muskelsteifigkeit (Rigor), Zittern in Ruhe (Tremor) sowie ein positives Ansprechen auf L-Dopa von zentraler Bedeutung. Zum Diagnosezeitpunkt sollten laut Auffassung der Expertin auch nicht motorische Symptome stärker berücksichtigt werden. Das Spektrum ist groß und umfasst beispielsweise Riechstörungen, autonome Störungen wie gastrointestinale Störungen (Obstipation, Magenentleerungs-Störungen), aber auch Störungen der Schweißdrüsen- und Talgsekretion, Blutdruckregulationsstörungen (orthostatische Hypotonie), Gedächtnis- und Denkstörungen (kognitive Störungen) aller Schweregrade bis zur Demenz und psychiatrische Störungen wie Depression und Halluzinationen sowie Schlafstörungen, insbesondere die Traum-Schlaf-Verhaltensstörungen (RBD), aber auch Tagesschläfrigkeit. Kognitive Störungen und psychiatrische Störungen können sich auch wechselseitig beeinflussen. „Beeinträchtigungen der Kognition begünstigen scheinbar depressive Symptome bei PatientInnen mit Parkinson, sodass eine frühe Aufklärung und spezifische Interventionen nötig sind“, empfahl Trenkwalder [1].

Neue Biomarker zur Früherkennung von Parkinson

Darüber hinaus wurden in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche Biomarker bei Parkinson entdeckt, die eine frühe Diagnose der Parkinson-Erkrankung ermöglichen. Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden und auf einen normalen biologischen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen können. Als neue Biomarker mit diagnostischer Relevanz werden derzeit zum Beispiel Alpha-Synuclein-Messungen aus der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) zur Früherkennung bei Parkinson diskutiert [2]. „Neben Liquor-basierten Biomarkern werden derzeit auch andere Kandidaten aus Blutproben, Haut und anderen Geweben erforscht, um die diagnostischen Möglichkeiten zur Früherkennung von Parkinson weiter auszubauen“, schilderte Trenkwalder.

Molekulargenetische Vielfalt der Parkinson-Krankheit

Auch spezielle Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomographie und nuklearmedizinische Methoden können die Diagnose Parkinson bestätigen, ebenso wie molekulargenetische Ansätze. Die Genetik kann eine Diagnose der Erkrankung nicht nur bestätigen, sondern manchmal auch verschiedene Ausprägungsgrade und Verläufe prognostizieren. So wurden aktuell verschiedene Genloki aufgedeckt, die im Zusammenhang mit einem erhöhten Demenzrisiko und Progression bei Parkinson stehen [3]. „Es wird immer deutlicher, dass die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung weit über die Einschränkung des Patienten in seiner Beweglichkeit und das Zittern hinausgeht und viele Bereiche der Lebensqualität individuell beeinträchtigt sind. Diagnosekriterien jedoch sollten in einfacher Weise ein komplexes Krankheitsbild unter Berücksichtigung neuer Biomarker für die praktische Anwendung abbilden“, schlussfolgerte Prof. Trenkwalder.

Referenzen:

1 Schroeders U, Zimmermann J, Wicke T, et al. Neuropsychology. 2022;10.1037/neu0000795. doi:10.1037/neu0000795.
2 Poggiolini I, Gupta V, Lawton M, et al. Brain. 2021;awab431. doi:10.1093/brain/awab431.
3 Liu G, Peng J, Liao Z, et al. Nat Genet. 2021;53(6):787-793. doi:10.1038/s41588-021-00847-6.

Informationen für die Medien

Online-Pressekonferenz der DPG am Mittwoch, 23. März, von 10–11 Uhr
Informationen zu Programm und ReferentInnen und Akkreditierung unter https://parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice. Gerne nehmen wir Sie auch in unseren Presseverteiler auf. Über die Kongresswebsite www.dpg-akbont-kongress-2021.de können Sie sich zusätzlich kostenlos für den virtuellen Kongress registrieren. Gerne vermitteln wir Interviews und stellen druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder Zusendung eines Belegs.

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Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Digitalisierung und Vernetzung: Corona als Booster für die Parkinson-Versorgung – Chancen und Grenzen individuell ausloten

Seit Beginn der Covid-Pandemie im Jahr 2020 wurden viele Versorgungsstrukturen für Menschen mit Parkinson digital angepasst. Um insbesondere die ambulante Versorgung aufrechtzuerhalten, haben Kliniken und Praxen innovative Ansätze verfolgt und neue Wege beschritten. „Der hohe Innovationsdruck zur Entwicklung neuer Versorgungsmethoden bleibt bestehen und könnte in Zukunft deutliche Vorteile bringen. Jedoch ist der Zugang zu digitalen Angeboten nicht für alle Betroffenen gewährleistet“, sagte Prof. Dr. Lars Tönges, Leiter der Sektion Neurodegenerative Erkrankungen an der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022. Als Co-Sprecher der Arbeitsgruppe „Netzwerke und Versorgung“ und Mitglied der Arbeitsgruppe „Telehealth-Services und Gesundheitstechnologien“ in der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) plädiert Prof. Tönges dafür, Behandlungspläne mit digitalen Elementen stets individuell auszuloten.

Die Covid-Pandemie stellte die medizinische Versorgung in vielen Bereichen vor große Herausforderungen. Da Menschen mit Parkinson per se und insbesondere diejenigen mit Bluthochdruck, chronischen Nierenerkrankungen sowie höherem Alter zur Risikogruppe für schwere Verläufe und erhöhte Mortalität nach Covid-19-Infektion zählen, wurde im Jahr 2020 ein dramatischer Rückgang der stationären Behandlungen verzeichnet. „Viele Patientinnen und Patienten mit Parkinson waren zu Beginn der Pandemie am sichersten in den eigenen vier Wänden aufgehoben. Auf dem Höhepunkt der Welle sank die Fallzahl der Krankenhausbehandlungen sogar um 70 Prozent, um die Risiken einer Sars-CoV-2-Infektion im Krankenhaus zu minimieren und Intensivkapazitäten sicherzustellen“, erläuterte Tönges. [1]

Fachärztliche Beratung in der virtuellen Sprechstunde

Die Versorgung von Menschen mit Parkinson ist komplex. Sie umfasst nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern auch Begleittherapien wie beispielsweise Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie. Um die bestmögliche individuelle und ganzheitliche Behandlung sicherzustellen und die Progression der Erkrankung zu verlangsamen, ist ein aus mehreren Bausteinen bestehender Therapieplan notwendig, der oft engmaschige Kontrollen erfordert. Für ein routinemäßiges Monitoring zur Kontrolle, Beratung oder für Bewegungs-, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapien haben sich in der Pandemie Videosprechstunden etabliert. „Mit dem schnellen Ausbau des Angebots an Videosprechstunden konnten Parkinson-Patienten und -Patientinnen auch in der häuslichen Isolation oder gar Quarantäne eine fachärztliche Beratung und Begleitung erhalten“, berichtete Tönges. Allerdings kann die Verfügbarkeit von digitalen Angeboten in Deutschland regional stark variieren, gab der Experte zu bedenken.

Fernzugriff auf Hirnimplantate per App

Auch für die Anwendung von Wearables und Apps hat die Pandemie Fortschritte gebracht. Parkinson-Betroffene können zum Beispiel durch Sensoren erhobene Bewegungsprofile über das Internet mit den behandelnden ÄrztInnen teilen und diese dann in der Videosprechstunde oder telefonisch besprechen. Eine weitere vielversprechende neue Technik, deren Entwicklung durch die Covid-Pandemie beschleunigt wurde, ist die Überwachung von Schrittmachern zur Tiefen Hirnstimulation (THS) für die Behandlung von Menschen mit Bewegungsstörungen. Unabhängig von ihrem Standort können ÄrztInnen über eine App mit den Betroffenen kommunizieren und Einstellungen des Implantats in Echtzeit ändern. „Die neue Technik ermöglicht Menschen mit THS-Implantaten, die zur Einstellung der Neuromodulation bisher immer wieder eine zum Teil entfernt gelegene Klinik aufsuchen mussten, mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit“, so die Einschätzung von Prof. Tönges.

Digitale Technologien in der Akutversorgung nur begrenzt nutzbar

Bei bestimmten Aspekten der Akutversorgung stoßen digitale Technologien allerdings an ihre Grenzen, zum Beispiel bei Infekten, akinetischen Krisen, psychiatrischen Beschwerden sowie bei erforderlichen Dosisanpassungen von Medikamentenpumpen. Hinzu kommt, dass Parkinson-Betroffene mit fortgeschrittenem Krankheitsbild zur Teilnahme an video- und internetbasierten Angeboten oft Hilfe benötigen, die nicht immer durch Familienangehörige oder Pflegepersonal gewährleistet ist. Somit sind bei Weitem nicht alle in der Lage, digitale Versorgungsangebote zu nutzen. „In dieser Kohorte fielen phasenweise Routinesprechstunden oder Begleittherapien weg, was eine schnellere Progredienz der Erkrankung und Zunahme der Immobilisierung begünstigt hat“, erläuterte Prof. Tönges.

Persönliche Kontakte können durch keine Technologie ersetzt werden

Die Möglichkeiten der Versorgung von Menschen mit Parkinson sind vielfältiger geworden. Allerdings ist die Implementierung der Maßnahmen in Deutschland regional unterschiedlich weit fortgeschritten. Zudem seien in Bezug auf digitale Versorgungsmethoden zum Teil noch regulatorische Barrieren, aber auch hinsichtlich der Vergütung einige Hürden zu überwinden. Bestimmte Datenschutzaspekte zur Implementierung der elektronischen Patientenakte oder zur Ausstellung von e-Rezepten seien auch noch nicht abschließend geklärt, weshalb diese noch nicht flächendeckend in der Praxis angewendet werden können, gab Prof. Tönges zu bedenken. Sein Fazit: „Durch die Covid-Pandemie bleibt der hohe Innovationsdruck bestehen und erzwingt Neuentwicklungen, die in Zukunft deutliche Vorteile schaffen können. Die große Bedeutung des persönlichen Kontakts von Menschen mit Parkinson zu FachärztInnen, Therapierenden, Pflegenden und Angehörigen ist aber auch in Zukunft durch keine Technologie zu ersetzen.“

Referenz:

1 Scherbaum R, Kwon EH, Richter D, Bartig D, Gold R, Krogias C, and Tönges L. (2021), Clinical Profiles and Mortality of COVID-19 Inpatients with Parkinson’s Disease in Germany. Mov Disord, 36: 1049-1057. https://doi.org/10.1002/mds.28586

Informationen für die Medien

Kostenlose Teilnahme am Kongress
JournalistInnen können sich unter www.dpg-akbont-kongress-2021.de kostenlos für den virtuellen Kongress registrieren. Die Aufzeichnungen stehen allen Teilnehmenden nach dem Kongress 3 Monate lang online zur Verfügung. Gerne vermittelt Ihnen die DPG-Pressestelle individuelle Interviews und druckfähiges Bildmaterial. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder einen Beleg.

Pressemitteilung als PDF

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Tel.: +49 (0) 89 46148622; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.parkinson-gesellschaft.de/presse
www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Private Spenden beschleunigen Parkinson-Forschung

Die DPG treibt die Erforschung der Parkinson-Krankheit voran – auch dank privater Spenden. Ein u.a. von der DPG gefördertes Forschungsprojekt hat nun neue Wege eröffnet, Parkinson in einem Frühstadium zu bremsen: mit Medikamenten, die die Erregbarkeit bestimmter Hirnzellen dämpfen. Das Forschungsteam der Marburger Hochschulmedizin hat seine Ergebnisse in der Wissenschaftszeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

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