Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei der Früherkennung und frühen Behandlung der Parkinson-Krankheit?
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Am 20. März 2024 hat der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) die Anerkennung der Parkinson-Krankheit unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit „Parkinson-Syndrom durch Pestizide“ empfohlen. Laut Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ist zu erwarten, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dies in die Liste für Berufskrankheiten aufnimmt. Vermutet wird eine Aufnahme in der zweiten Jahreshälfte 2024. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG) begrüßen diesen Schritt sowie die ausführliche Aufarbeitung der aktuellen Literatur und Datenlage durch den ÄSVB.
Prasinezumab, ein monoklonaler Antikörper, der aggregiertes alpha-Synuclein bindet, könnte eine potenziell krankheitsmodifizierende Therapie für bestimmte Untergruppen bei der Parkinson-Krankheit im Frühstadium sein, so das Ergebnis einer aktuell in „Nature Medicine“ publizierten Post-hoc-Analyse [1]. „Das Paper könnte einen weiteren Meilenstein darstellen, weil es Hinweise auf eine krankheitsmodifizierende Wirkung bei der Parkinson-Krankheit liefert“, betont Prof. Dr. med. Kathrin Brockmann, 3. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen und eine der Autor:innen der Arbeit. Eine vorangegangene Gesamtauswertung über alle eingeschlossenen Subgruppen aus der Phase-2-Studie PASADENA [2] hatte bereits ergeben, dass die monatliche Gabe von Prasinezumab im Vergleich zu Placebo eine weitere Verschlechterung des motorischen Teils des MDS-UPDRS (Movement Disorder Society – Unified Parkinson’s Disease Rating Scale) dämpfte, jedoch nicht in der eigentlichen Zielgröße der Studie, die auch andere Maßzahlen einschloss. „In der aktuellen Auswertung ließen sich bei Subgruppen mit schnellerer Verschlechterung nun Vorteile in Bezug auf die Entwicklung der Einschränkung der Motorik nachweisen, trotz des recht kurz bemessenen Zeitraums“, berichtet Prof. Brockmann, Mitglied der PASADENA-Forschungsgruppe und Leiterin der Parkinson-Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen, anlässlich des Kongresses für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) 2024 in Rostock. Die Post-hoc-Analyse [1] könnte somit den Anstoß dafür liefern, das krankheitsmodifizierende Potenzial von Prasinezumab bei Menschen mit Parkinson noch einmal in Kohorten mit schnellerem Krankheitsprogress und/oder in einem längerem Beobachtungszeitraum intensiver zu erforschen.
App-gestützte Sensoren, Rückenmarkstimulatoren und Stammzelltransplantationen könnten in Zukunft die Therapie von Menschen mit Parkinson weiter verbessern. Anlässlich des Deutschen Kongresses für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) 2024 in Rostock stellte Prof. Dr. Alexander Storch, 2. Vorsitzender der DPG und Kongresspräsident 2024, vielversprechende Ansätze vor, die an der Schwelle stehen zu weitergehenden klinischen Forschungsaktivitäten. So könnten beispielsweise Neuroprothesen bald die Parkinson-typischen Gangstörungen verbessern. Die Forschungsergebnisse zur Stammzelltherapie bei Parkinson sind ermutigend. Auch adäquate Monitoring-Strategien, die eine lückenlose Dokumentation und objektive Einordnung von Parkinson-Symptomen ermöglichen, stehen im Fokus der Forschung. „Weitere Studien zu App-gestützten Sensoren und benutzerfreundlichen Wearables könnten hier eine fundierte Basis schaffen, die sowohl für Forschungsaktivitäten als auch für die Versorgung nützlich wären“, schilderte Prof. Storch.
Parkinson ist nicht nur die zweithäufigste, sondern auch die am schnellsten wachsende neurodegenerative Erkrankung weltweit. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen betroffen. Die meisten erkranken ab Ende 50 oder in ihren Sechzigern, aber es gibt auch weit jüngere Patient:innen. Parkinson kann bisher noch nicht ursächlich, aber sehr gut symptomatisch behandelt werden. „Die Parkinson-Forschung macht in allen Bereichen spannende Fortschritte – von der molekularen und frühen Diagnostik über die Entschlüsselung genetischer Ursachen bis zur Entwicklung neuer Therapien und der Nutzung künstlicher Intelligenz“, sagte Prof. Joseph Claßen, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig, anlässlich des DPG-Kongresses 2024 in Rostock.
Die Parkinson-Krankheit ist eine komplexe Erkrankung mit einer Vielfalt an Symptomen und Verläufen, die vielfältige Ursachen haben kann. Seit etwa 25 Jahren ist bekannt, dass auch genetische Faktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen können. „In den letzten Jahren haben technische Fortschritte der genetischen Ursachenforschung einen bedeutenden Schub gegeben. Kenntnisse über zelluläre Stoffwechselwege, die durch eine Mutation gestört sind, erlauben, gezielt und kausal in den Krankheitsprozess einzugreifen – in der Hoffnung, damit das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder zu stoppen“, sagt Prof. Dr. Kathrin Brockmann, Oberärztin und Leiterin der Parkinson-Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V. Auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2024 vom 25. bis 27. April in Rostock beleuchtet sie den aktuellen Stand bei der Aufklärung genetisch bedingter Krankheitsmechanismen und die sich daraus ergebenden therapeutischen Chancen.
Ärzte der Unimedizin Rostock laden zu Patientenveranstaltung ein
Prof. Dr. Thomas Gasser, Pionier in der Erforschung von Genen und erblichen Risikofaktoren für die Parkinsonkrankheit, wird am 25. April 2024 auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen der DPG in Rostock sprechen.
Ein Wirkstoff zur Diabetes-Behandlung könnte möglicherweise auch bei Parkinson helfen – so das Ergebnis einer im April 2024 im New England Journal of Medicine veröffentlichten klinischen Studie [1]. Die Substanz Lixisenatid verlangsamt das Fortschreiten der Symptome in einem geringen, aber statistisch signifikanten Umfang. „Die Ergebnisse sind sehr interessant. Wenn sich Parkinson mit dieser Klasse von Medikamenten bremsen ließe, wäre das ein Riesenerfolg“, meint Prof. Joseph Claßen, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG). „Allerdings müssen erst noch Langzeitstudien durchgeführt werden, auch mit besser verträglichen, verwandten Wirkstoffen, um die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit an mehr Patientinnen und Patienten nachzuweisen“, so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig. Die Parkinson-Forschung macht große Fortschritte, bisher lässt sich die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer, von der hierzulande rund 400.000 Menschen betroffen sind, aber nur symptomatisch behandeln. Neueste Erkenntnisse präsentieren und diskutieren führende Wissenschaftler:innen und Expert:innen vom 25. bis 27. April 2024 auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen in Rostock.
Wird die Parkinson-Krankheit einmal heilbar sein? Aktuelle vielversprechende Ergebnisse der Parkinson-Forschung stehen im Mittelpunkt des digitalen Welt-Parkinson-Tages der Parkinson Stiftung am Montag, 22. April 2024, ab 15:00 Uhr.
Möchten Sie erfahren, wie Sie bestmöglich mit der Parkinson-Krankheit leben können? Haben Sie Fragen zur Diagnose, Behandlung oder aktuellen Forschungsergebnissen? Dann markieren Sie sich Donnerstag, den 11. April 2024 im Kalender!
Digitale Gesundheitsanwendungen, Apps und Robotik – technische Innovationen treiben nicht nur die Parkinson-Forschung voran, sie verbessern auch die interdisziplinäre Versorgung von Menschen mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen. Über die aktuellen Erkenntnisse und Zukunftstrends in diesem Bereich können sich Mediziner:innen, Therapierende und Pflegekräfte auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) vom 25. - 27. April in Rostock austauschen. Neben dem wissenschaftlichen Programm gibt es mit der „Multidisziplinären Akademie“ auch ein spezielles Angebot für nicht-ärztliche Berufsgruppen. Ein besonderer Schwerpunkt der Plenarvorträge sind in diesem Jahr die Neuerungen in der Versorgungslandschaft, vom technischen Fortschritt bis zur Zusammenarbeit in regionalen Parkinson-Netzwerken. Daneben werden mehrere Workshops als Begegnungs- und Fortbildungsmöglichkeit für die verschiedenen therapeutischen Disziplinen, wie Parkinson Nurses, Physiotherapeut:innen, Logopäd:innen oder Ergotherapeut:innen, angeboten.
Parkinson ist mit rund 400.000 Betroffenen in Deutschland nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Spannende Fortschritte der Parkinson-Forschung geben Hoffnung, bald über eine Therapie zu verfügen, welche die Prozesse des Nervenzellabsterbens verlangsamt oder die Erkrankung gar heilt. Innovative Technologien helfen schon heute, Parkinson früher zu diagnostizieren und individueller zu therapieren. Welche neuen Erkenntnisse sind in die kürzlich veröffentlichte S2k-Leitlinie eingeflossen? Wann kommt der Bluttest zur Parkinson-Früherkennung in die praktische Anwendung? Welche Rolle spielen genetische Ursachen? Was bedeutet die neue Klassifikation der Parkinson-Krankheit nach biologischen Kriterien (SynNeurGe)? Was hat sich bei Sensoren, Bildgebung und Tiefer Hirnstimulation getan und wie hilft künstliche Intelligenz? Diese Fragen beantworten die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V. auf einer Pressekonferenz.
Mit tiefer Trauer gedenken wir des renommierten Neurologen Prof. Dr. Gregor Karl Wenning, der am 11. Februar 2024 plötzlich und völlig unerwartet von uns gegangen ist. Das Vermächtnis seiner langen und intensiven Forschungsarbeit wird in der medizinischen Gemeinschaft und darüber hinaus weiterleben.
Innovative Technologien und neue labormedizinische Verfahren: Die Parkinson-Forschung macht weltweit vielversprechende Fortschritte. „Parkinson-Forschung war noch nie so spannend wie jetzt. Auf dem Weg zur Heilung ist überall viel Hoffnung zu spüren“, sagt Prof. Alexander Storch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsmedizin Rostock, zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V. und Kongresspräsident beim Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen vom 25.-27. April in Rostock. Fachleute aus Klinik, Forschung und Industrie, darunter international führende Expertinnen und Experten, diskutieren hier die neuesten Forschungsergebnisse, Entwicklungen und Trends. Für Pflegekräfte und Therapierende bietet die „Multidisziplinäre Akademie“ ein auf die Versorgung von Menschen mit Parkinson spezialisiertes Programm. Am 27. April findet ein Patient:innentag für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen statt.