Aktuelles

Digitalisierung und Vernetzung: Corona als Booster für die Parkinson-Versorgung – Chancen und Grenzen individuell ausloten

Seit Beginn der Covid-Pandemie im Jahr 2020 wurden viele Versorgungsstrukturen für Menschen mit Parkinson digital angepasst. Um insbesondere die ambulante Versorgung aufrechtzuerhalten, haben Kliniken und Praxen innovative Ansätze verfolgt und neue Wege beschritten. „Der hohe Innovationsdruck zur Entwicklung neuer Versorgungsmethoden bleibt bestehen und könnte in Zukunft deutliche Vorteile bringen. Jedoch ist der Zugang zu digitalen Angeboten nicht für alle Betroffenen gewährleistet“, sagte Prof. Dr. Lars Tönges, Leiter der Sektion Neurodegenerative Erkrankungen an der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022. Als Co-Sprecher der Arbeitsgruppe „Netzwerke und Versorgung“ und Mitglied der Arbeitsgruppe „Telehealth-Services und Gesundheitstechnologien“ in der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) plädiert Prof. Tönges dafür, Behandlungspläne mit digitalen Elementen stets individuell auszuloten.

Die Covid-Pandemie stellte die medizinische Versorgung in vielen Bereichen vor große Herausforderungen. Da Menschen mit Parkinson per se und insbesondere diejenigen mit Bluthochdruck, chronischen Nierenerkrankungen sowie höherem Alter zur Risikogruppe für schwere Verläufe und erhöhte Mortalität nach Covid-19-Infektion zählen, wurde im Jahr 2020 ein dramatischer Rückgang der stationären Behandlungen verzeichnet. „Viele Patientinnen und Patienten mit Parkinson waren zu Beginn der Pandemie am sichersten in den eigenen vier Wänden aufgehoben. Auf dem Höhepunkt der Welle sank die Fallzahl der Krankenhausbehandlungen sogar um 70 Prozent, um die Risiken einer Sars-CoV-2-Infektion im Krankenhaus zu minimieren und Intensivkapazitäten sicherzustellen“, erläuterte Tönges. [1]

Fachärztliche Beratung in der virtuellen Sprechstunde

Die Versorgung von Menschen mit Parkinson ist komplex. Sie umfasst nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern auch Begleittherapien wie beispielsweise Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie. Um die bestmögliche individuelle und ganzheitliche Behandlung sicherzustellen und die Progression der Erkrankung zu verlangsamen, ist ein aus mehreren Bausteinen bestehender Therapieplan notwendig, der oft engmaschige Kontrollen erfordert. Für ein routinemäßiges Monitoring zur Kontrolle, Beratung oder für Bewegungs-, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapien haben sich in der Pandemie Videosprechstunden etabliert. „Mit dem schnellen Ausbau des Angebots an Videosprechstunden konnten Parkinson-Patienten und -Patientinnen auch in der häuslichen Isolation oder gar Quarantäne eine fachärztliche Beratung und Begleitung erhalten“, berichtete Tönges. Allerdings kann die Verfügbarkeit von digitalen Angeboten in Deutschland regional stark variieren, gab der Experte zu bedenken.

Fernzugriff auf Hirnimplantate per App

Auch für die Anwendung von Wearables und Apps hat die Pandemie Fortschritte gebracht. Parkinson-Betroffene können zum Beispiel durch Sensoren erhobene Bewegungsprofile über das Internet mit den behandelnden ÄrztInnen teilen und diese dann in der Videosprechstunde oder telefonisch besprechen. Eine weitere vielversprechende neue Technik, deren Entwicklung durch die Covid-Pandemie beschleunigt wurde, ist die Überwachung von Schrittmachern zur Tiefen Hirnstimulation (THS) für die Behandlung von Menschen mit Bewegungsstörungen. Unabhängig von ihrem Standort können ÄrztInnen über eine App mit den Betroffenen kommunizieren und Einstellungen des Implantats in Echtzeit ändern. „Die neue Technik ermöglicht Menschen mit THS-Implantaten, die zur Einstellung der Neuromodulation bisher immer wieder eine zum Teil entfernt gelegene Klinik aufsuchen mussten, mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit“, so die Einschätzung von Prof. Tönges.

Digitale Technologien in der Akutversorgung nur begrenzt nutzbar

Bei bestimmten Aspekten der Akutversorgung stoßen digitale Technologien allerdings an ihre Grenzen, zum Beispiel bei Infekten, akinetischen Krisen, psychiatrischen Beschwerden sowie bei erforderlichen Dosisanpassungen von Medikamentenpumpen. Hinzu kommt, dass Parkinson-Betroffene mit fortgeschrittenem Krankheitsbild zur Teilnahme an video- und internetbasierten Angeboten oft Hilfe benötigen, die nicht immer durch Familienangehörige oder Pflegepersonal gewährleistet ist. Somit sind bei Weitem nicht alle in der Lage, digitale Versorgungsangebote zu nutzen. „In dieser Kohorte fielen phasenweise Routinesprechstunden oder Begleittherapien weg, was eine schnellere Progredienz der Erkrankung und Zunahme der Immobilisierung begünstigt hat“, erläuterte Prof. Tönges.

Persönliche Kontakte können durch keine Technologie ersetzt werden

Die Möglichkeiten der Versorgung von Menschen mit Parkinson sind vielfältiger geworden. Allerdings ist die Implementierung der Maßnahmen in Deutschland regional unterschiedlich weit fortgeschritten. Zudem seien in Bezug auf digitale Versorgungsmethoden zum Teil noch regulatorische Barrieren, aber auch hinsichtlich der Vergütung einige Hürden zu überwinden. Bestimmte Datenschutzaspekte zur Implementierung der elektronischen Patientenakte oder zur Ausstellung von e-Rezepten seien auch noch nicht abschließend geklärt, weshalb diese noch nicht flächendeckend in der Praxis angewendet werden können, gab Prof. Tönges zu bedenken. Sein Fazit: „Durch die Covid-Pandemie bleibt der hohe Innovationsdruck bestehen und erzwingt Neuentwicklungen, die in Zukunft deutliche Vorteile schaffen können. Die große Bedeutung des persönlichen Kontakts von Menschen mit Parkinson zu FachärztInnen, Therapierenden, Pflegenden und Angehörigen ist aber auch in Zukunft durch keine Technologie zu ersetzen.“

Referenz:

1 Scherbaum R, Kwon EH, Richter D, Bartig D, Gold R, Krogias C, and Tönges L. (2021), Clinical Profiles and Mortality of COVID-19 Inpatients with Parkinson’s Disease in Germany. Mov Disord, 36: 1049-1057. https://doi.org/10.1002/mds.28586

Informationen für die Medien

Kostenlose Teilnahme am Kongress
JournalistInnen können sich unter www.dpg-akbont-kongress-2021.de kostenlos für den virtuellen Kongress registrieren. Die Aufzeichnungen stehen allen Teilnehmenden nach dem Kongress 3 Monate lang online zur Verfügung. Gerne vermittelt Ihnen die DPG-Pressestelle individuelle Interviews und druckfähiges Bildmaterial. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder einen Beleg.

Pressemitteilung als PDF

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG)
c/o albertZWEI media GmbH
Dipl.-Biol. Sandra Wilcken
Tel.: +49 (0) 89 46148622; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.parkinson-gesellschaft.de/presse
www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Private Spenden beschleunigen Parkinson-Forschung

Die DPG treibt die Erforschung der Parkinson-Krankheit voran – auch dank privater Spenden. Ein u.a. von der DPG gefördertes Forschungsprojekt hat nun neue Wege eröffnet, Parkinson in einem Frühstadium zu bremsen: mit Medikamenten, die die Erregbarkeit bestimmter Hirnzellen dämpfen. Das Forschungsteam der Marburger Hochschulmedizin hat seine Ergebnisse in der Wissenschaftszeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Einladung zur Online-Pressekonferenz - Forschung in Bewegung: Neue Erkenntnisse zu Parkinson und Bewegungsstörungen

Die Parkinson-Krankheit und andere neurodegenerative Bewegungsstörungen bremsen oder sogar ihren Ausbruch stoppen: Dieses große Ziel ist dank neuer genetischer und molekularbiologischer Methoden in greifbarer Nähe. Die Erkenntnisse zu Krankheitsursachen und -mechanismen sind enorm gewachsen. Die präzisere phänotypische und molekularbiologische Charakterisierung von Krankheitsuntergruppen bereitet den Weg zur personalisierten Behandlung. Auch bei den symptomatischen und ursächlichen Therapien gibt es spannende Entwicklungen.

Im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Parkinson und Bewegungsstörungen, der vom 24. bis 26. März 2022 rein virtuell stattfindet, lädt die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) am 23. März zu einer Online-Pressekonferenz. Interessierte Journalist:innen der Fach- und Publikumsmedien haben Gelegenheit, Neuigkeiten aus Therapie, Diagnostik und Versorgung mit renommierten Expertinnen und Experten zu diskutieren.

Pressekonferenz

Mittwoch, 23. März 2022, 10-11 Uhr

Programm (Änderungen vorbehalten)

Mutierte Gene – Fehlgefaltete Proteine – Synaptische Netze: Welcher Ansatz verspricht die Heilung der Parkinson-Krankheit?
Prof. Dr. Günter Höglinger, Kongresspräsident 2022 und DPG-Vorstandsmitglied, Direktor der Klinik für Neurologie, Medizinische Hochschule Hannover

Klinische und molekulare Vielfalt der Parkinson-Krankheit: Was hat sich geändert?
Prof. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Neurologie an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, Past-Präsidentin der International Parkinson and Movement Disorder Society (MDS)

Digitalisierung und Vernetzung: Corona als Booster für die Parkinson-Versorgung?
Prof. Lars Tönges, Leiter der Sektion Neurodegenerativen Erkrankungen an der Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum

Die Highlights beim Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2022
Prof. Alexander Storch, erster Vorsitzender der DPG, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock

Registrierung Online-Pressekonferenz

https://parkinson-gesellschaft.de/pk-kongress

Vom 24. bis 26. März 2022 diskutieren Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen diese Themen dann im Rahmen der virtuellen Kongressveranstaltung. Die wissenschaftlichen Veranstaltungen werden per Livestream übertragen und stehen anschließend als Aufzeichnung zur Verfügung. Ein eigener Programmteil, die „Multidisziplinäre Akademie“ wendet sich auch an Pflegekräfte und Therapeut:innen. Kostenlose Presse-Registrierung zu dieser von der DPG und dem Arbeitskreis Botulinumtoxin (AkBoNT) angebotenen Veranstaltung unter www.dpg-akbont-kongress-2021.de.

Pressevertreterinnen und -vertreter sind herzlich zu beiden Veranstaltungen eingeladen. Gerne unterstützten wir bei der Berichterstattung, vermitteln Interviews und stellen druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Wir freuen uns über Hinweise auf Veröffentlichungen oder die Zusendung eines Belegs.

Pressemitteilung als PDF

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG)
c/o albertZWEI media GmbH
Dipl.-Biol. Sandra Wilcken
Tel.: +49 (0) 89 46148622; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.parkinson-gesellschaft.de/presse
www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Kann künstliche Intelligenz Parkinson auf Selfies erkennen?

Software könnte Frühwarnsignale für Parkinson per Webcam oder auf Selfies erkennen. Zukunftsmusik, sagen deutsche Expert:innen.

Eine Einschätzung zum Thema von Prof. Joseph Claßen, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen, erhalten Sie auf der Seite der Apotheken Umschau.

 

 

 

Parkinson-Kongress 2022 per Livestream: Highlights zum Schwerpunkt personalisierte Medizin

Zum zweiten Mal in Folge wird der Deutsche Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen vom 24. bis 26. März 2022 rein virtuell stattfinden. Ursprünglich als Präsenzkongress geplant, werden die wissenschaftlichen Kongressveranstaltungen pandemiebedingt nun doch ausschließlich per Livestream übertragen. Der Kongress umfasst das gesamte Spektrum neuester Entwicklungen bei Parkinson und anderen Bewegungsstörungen. Er ist interdisziplinär ausgerichtet und somit nicht nur für MedizinerInnen und WissenschaftlerInnen, sondern auch für alle beteiligten Fachkräfte in der Versorgung von Parkinson-PatientInnen informativ: In der Multidisziplinären Akademie werden spezifische Programminhalte mit reduzierten Gebühren auch für Therapierende und Pflegekräfte (z. B. Parkinson Nurses) angeboten. Studierende und JournalistInnen können kostenlos teilnehmen. Alle Aufzeichnungen stehen nach dem Kongress noch drei Monate lang zur Verfügung.

Terminhinweis für die Medien: Online-Pressekonferenz am Mittwoch, 23. März von 10-11 Uhr; Information und Registrierung unter https://parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice

Zur optimalen Versorgung von Krankheitsuntergruppen gewinnen personalisierte Therapiestrategien auch bei Parkinson immer mehr an Bedeutung. Der diesjährige Kongress steht daher unter dem Motto „Personalisierte Diagnose – Personalisierte Therapie“. Direkt zum Auftakt des Kongresses widmet sich das Präsidentensymposium „Variabilität in Phänotyp und Progression bei Parkinson-Syndromen: Neurobiologische Ursachen und therapeutische Optionen“ (24.03.2022 | 10:30–12:00 Uhr) diesem Schwerpunktthema.

Präsidentensymposium: Krankheitsverläufe bei Parkinson komplexer als gedacht

Der Vorsitzende des Präsidentensymposiums, Prof. Günter Höglinger aus Hannover, Kongresspräsident und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), ist auf den kollegialen Austausch gespannt. „Während frühere Krankheitskonzepte von einem eher einheitlichen klinischen Verlauf ausgingen, zeigen neuere Kohortendaten, dass klinische Phänotypen und Krankheitsverläufe innerhalb der Krankheitsentitäten stark variieren“, erläutert Höglinger. Zusammen mit den Referenten werden Prof. Höglinger und der erste Vorsitzende der DPG, Prof. Alexander Storch von der Klinik und Poliklinik für Neurologie in Rostock, die bisherige Evidenzlage zur Variabilität und ihre klinische Relevanz für die Patientenberatung und -betreuung einordnen.

Prof. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Neurologie an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, wird in ihrem Vortrag zunächst die klinische Variabilität der Phänotypen bei Parkinson vorstellen. Prof. Trenkwalder ist eine international renommierte Medizinerin im Bereich Parkinson und Past-Präsidentin der International Parkinson and Movement Disorder Society (MDS). Direkt im Anschluss wird Prof. Peter Heutink, hochdekorierter Genombiologe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Tübingen, die genetische Vielfalt präsentieren und molekularbiologische Hintergründe zur besseren Charakterisierung der Parkinson-Krankheit, sowohl auf der Ebene des Genoms als auch des Transkriptoms, erläutern. Der international renommierte Neurowissenschaftler Prof. Michel Goedert, Leiter des Medical Research Council Laboratory of Molecular Biology in Cambridge, wird die aktuellsten Erkenntnisse zu den Auswirkungen spezifischer Protein-Fehlfaltungen bei neurodegenerativen Krankheiten vorstellen. Dr. Nicolai Franzmeier, Junior Research Group Leader am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung der LMU München, erläutert seine Konnektom-Forschung, die untersucht, inwieweit Nervenzellverbindungen die Ausbreitung von pathologischen Protein-Aggregaten kanalisieren. Dieser umfassende Blick auf die molekularen und strukturellen Krankheitsmechanismen beleuchtet das aktuelle Verständnis der Ursachen und Therapieansätze für die heterogenen Verläufe neurodegenerativer Krankheiten.

Plenarsitzungen: Zielgerichtete Therapieansätze in der Forschungspipeline

In zwei Plenarsitzungen werden die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Molekulargenetik in den Kontext individualisierter, zielgerichteter Therapiestrategien bei Parkinson gestellt. Die Plenarsitzung „Entwicklung individualisierter krankheitsmodifizierender Therapien“ (25.03.2022 | 10:30–12:00 Uhr) unter Vorsitz von Prof. Höglinger wird neue, zielgerichtete Therapieansätze zur Diskussion stellen, die zum Beispiel gegen alpha-Synuclein, LRRK2 (Leucine Rich Repeat Kinase 2) oder GBA (Glucosylceramidase) gerichtet sind. „Aufgrund der stetig wachsenden Erkenntnisse zur molekularen Pathologie von Parkinson werden derzeit verschiedene Wirkstoffkandidaten klinisch geprüft. Inwiefern die aktuell laufenden und geplanten Studien den erhofften therapeutischen Durchbruch bei Parkinson ermöglichen, wird sich in naher Zukunft zeigen“, so Höglinger. Die Plenarsitzung „Individualisierung symptomatischer Therapien für Parkinson“ (26.03.2022 | 10:30–12:00 Uhr) unter Vorsitz von Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Schrader, Neurologe in Hannover, wird den Status quo in Bezug auf kausale Therapieansätze mit Fokus auf orale und transdermale Optionen vorstellen. Zudem ist ein Ausblick auf potenziell frühzeitigere Anwendungen von intensivierten Folgebehandlungen mit Pumpentherapien geplant.

Rege Debatten zum Thema individualisierte Therapiestrategien

Zwei angesetzte Pro-Con-Debatten werden das Thema individualisierte Therapiestrategien bei Parkinson weiter abrunden. Der erste Termin wird vornehmlich atypische Verläufe behandeln: „Individualisierung von Diagnose und Therapie von Bewegungsstörungen: Lumping vs. Splitting“ (24.03.2022 | 14:30–16:00 Uhr). Die zweite Pro-Con-Debatte wird das Spannungsfeld zwischen Evidenz und Eminenz erörtern: „Personalisierte Therapie bei Morbus Parkinson und wissenschaftliche Qualität – ein Widerspruch?“ (25.03.2022 | 16:30–18:00 Uhr).

Plenarsitzung: Individualisiertes Vorgehen auch bei der Botulinumtoxintherapie

Der Kongress wird inhaltlich und organisatorisch von der DPG unter Leitung von Prof. Dr. Günter Höglinger und dem Arbeitskreis Botulinumtoxin e.V. (AkBoNT) unter Leitung von Prof. Dr. Frank Erbguth durchgeführt. Das wissenschaftliche Programm umfasst daher auch die aktuellen Einsatzgebiete von Botulinumtoxin bei Bewegungsstörungen und anderen Erkrankungen. „Auch in der Injektionspraxis der zervikalen Dystonie sind die Zeiten eines ,one fits all‘ vorbei: unter Berücksichtigung der Interaktion der Pathophysiologie der Dystonien mit der Botulinumtoxintherapie rückt eine individualisierte Vorgehensweise in den Vordergrund“, erklärt Prof. Erbguth. Diesem Thema widmet sich die Plenarsitzung „Interaktion der Pathophysiologie der Dystonien mit der Botulinumtoxintherapie: auf dem Weg zur individualisierten Therapie?“ (24.03.2022 | 16:30–18:00 Uhr) mit drei Vorträgen.

Aktuelles zu Behandlung der zervikalen Dystonie mit Botulinumtoxin

In der zweiten Plenarsitzung des Arbeitskreises Botulinumtoxin e.V. (AkBoNT) geht es um aktuelle Aspekte der Behandlung der zervikalen Dystonie (25.03.2022 | 14:30–16:00 Uhr). Hier wird die Bedeutung des Col-Cap-Konzepts für die Behandlung thematisiert und die Frage der formalen „Zulassungsbreite“ unterschiedlicher Muster der zervikalen Dystonien kritisch erläutert. Die Wirksamkeitsparameter eines neuen Botulinumtoxins – Daxibotulinumtoxin – bei der zervikalen Dystonie werden von der US-Expertin Cynthia Comella vorgestellt. Abgerundet wird die Sitzung mit einer Erörterung der sozialmedizinischen Aspekte der zervikalen Dystonie. Die Rolle von Botulinumtoxin abseits der Bewegungsstörungen wird am 24.03.2022 (14:30–16:00 Uhr) bei den Indikationen Sialorrhoe und Schmerz sowie in der Psychiatrie und Urologie vorgestellt und kritisch diskutiert. 

Wissenschaftliches Programm, Online-Registrierung und Newsletter: www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Online-Pressekonferenz der DPG am Mittwoch, 23. März, von 10–11 Uhr

Informationen zu Programm, ReferentInnen und Akkreditierung unter https://parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice. Gerne nehmen wir Sie auch in unseren Presseverteiler auf. Über die Kongresswebsite www.dpg-akbont-kongress-2021.de können Sie sich zusätzlich kostenlos für den virtuellen Kongress registrieren. Gerne vermitteln wir Interviews und stellen druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder Zusendung eines Belegs.

Pressemitteilung als PDF

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG)
c/o albertZWEI media GmbH
Dipl.-Biol. Sandra Wilcken
Tel.: +49 (0) 89 46148622; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.parkinson-gesellschaft.de/presse
www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

Forschung in Bewegung: der Deutsche Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen vom 24. bis 26. März in Hannover

Das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit und anderer neurodegenerativer Bewegungsstörungen bremsen oder sogar ihren Ausbruch verhindern: Dieses große Ziel rückt mit neuen genetischen und molekularbiologischen Methoden in greifbare Nähe. Über Meilensteine und Herausforderungen diskutieren internationale Fachleute aus Wissenschaft und klinischer Medizin vom 24. bis 26. März 2022 auf dem Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen. Mit einem eigenen interdisziplinären Programm und reduzierten Teilnahmegebühren richtet sich der Kongress explizit auch an Therapierende, Pflegekräfte und Parkinson-Nurses. Wer nicht vor Ort dabei ist, kann einen Teil des wissenschaftlichen Programms zu vergünstigten Gebühren per Livestream mitverfolgen. Die Aufzeichnung steht allen Teilnehmenden anschließend noch drei Monate lang zur Verfügung.

„In den letzten Jahren sind in diesem Bereich der Neurologie die Erkenntnisse zu Krankheitsursachen und -mechanismen enorm gewachsen. Die präzisere phänotypische und molekularbiologische Charakterisierung von Krankheitsuntergruppen bereitet den Weg zur individualisierten Medizin. Auch bei den symptomatischen und ursächlichen Therapien gibt es spannende Entwicklungen“, erklärt Prof. Günter Höglinger, Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) und einer der beiden Kongresspräsidenten neben Prof. Frank Erbguth, Nürnberg, vom Arbeitskreis Botulinumtoxin (AkBoNT). Beide Fachorganisationen veranstalten den Kongress gemeinsam.

Parkinson-Syndrome: individuelle Erkrankung mit vielen Gesichtern

Parkinson ist nicht gleich Parkinson, Symptome und Verlauf können sehr unterschiedlich sein. Um die neurobiologischen Ursachen der Variabilität bei Parkinson-Syndromen und ihre Bedeutung für die individuelle, personalisierte Therapie geht es beim Präsidentensymposium am ersten Kongresstag. „Während man früher davon ausging, dass es innerhalb der verschiedenen Parkinson-Syndrome einen einheitlichen klinischen Verlauf gibt, zeigen neue Kohortendaten eine große Variation“, sagt Prof. Höglinger. Er diskutiert das Thema mit Prof. Alexander Storch, dem ersten Vorsitzenden der DPG, und weiteren führenden Fachleuten – darunter Prof. Michel Goedert, Leiter des Medical Research Council Laboratory of Molecular Biology in Cambridge. Der international renommierte Neurowissenschaftler wurde für seine herausragende Forschung zu den molekularen Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen mehrfach ausgezeichnet.

Therapie von Bewegungsstörungen mit Botulinumtoxin

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Bewegungsstörungen. Allein in Deutschland sind etwa 400.000 Menschen daran erkrankt. Die Bandbreite der unwillkürlichen und unkontrollierten Bewegungsstörungen aufgrund neurologischer Erkrankungen ist aber größer: Sie umfasst auch Tremor, Chorea, Dystonie und Spastik. Die Therapie von Dystonien mit Botulinumtoxin ist Thema einer Plenarsitzung unter Leitung von Prof. Frank Erbguth: „Ursprünglich ging man davon aus, dass eine Botulinumtoxin-Injektion lediglich die Exekution pathologischer dystoner Bewegungen lähmt, ohne mit dem Gehirn zu interagieren. Doch es gibt Hinweise, dass sie auch zu einer zerebralen Reorganisation beiträgt.“ Auch die Individualisierung der Therapie mit Botulinumtoxin durch ultraschallgestützte Injektionen und die videobasierte Analyse dystoner Bewegungsstörungen auf Basis künstlicher Intelligenz werden diskutiert. Der Kongress umfasst außerdem den therapeutischen Einsatz des Nervengifts über die Bewegungsstörungen hinaus, etwa bei chronischer Migräne, neurologisch bedingter Sialorrhoe (unkontrollierter Speichelfluss) sowie bei urologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

Klinische und wissenschaftliche Plattform für den interdisziplinären Austausch

„Der Kongress bildet mit Symposien, Plenarsitzungen, freien Vorträgen und Fortbildungsseminaren das gesamte Spektrum neuester Entwicklungen bei Parkinson und anderen Bewegungsstörungen ab. Er bietet allen, die in diesem Bereich forschen oder Betroffene betreuen, eine exzellente klinische und wissenschaftliche Plattform“, betont Kongresspräsident Prof. Höglinger. Das Programm richtet sich bewusst auch an jüngere Kolleginnen und Kollegen, deren Beiträge als Poster und freie Vorträge berücksichtigt werden. Auch für Pflege- und Gesundheitsfachpersonal im Bereich Parkinson und Bewegungsstörungen gibt es einen eigenen Programmteil, die „Multidisziplinäre Akademie“, und reduzierte Teilnahmegebühren. Der Kongress findet vor Ort im Hannover Congress Center statt. Ein Teil der wissenschaftlichen Veranstaltungen wird per Livestream übertragen. Die Aufzeichnungen stehen nach dem Kongress für alle Teilnehmenden noch drei Monate lang zur Verfügung.

Wissenschaftliches Programm, Online-Registrierung und Newsletter unter:
www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Pressemitteilung als PDF

Fachliche Kongressleitung und Kongressorganisation

Prof. Dr. med. Günter Höglinger, Kongresspräsident für die DPG
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Kongresspräsident für den AK Botulinumtoxin
PD Dr. med. Christoph Schrader, Kongresssekretär für die DPG
Prof. Dr. med. Katja Kollewe, Kongresssekretärin für den AK Botulinumtoxin

www.dpg-akbont-kongress-2021.de

Hinweis für die Presse

Informationen zur Online-Pressekonferenz anlässlich des Kongresses finden Sie in Kürze unter www.parkinson-gesellschaft.de. JournalistInnen können sich über die Kongresswebsite auch kostenlos für den Kongress registrieren. Gerne vermitteln wir Interviews und stellen Ihnen druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Wir freuen uns über einen Hinweis auf Ihre Veröffentlichung oder Zusendung eines Belegs.

DPG-Arbeitsgruppe „Netzwerke“ startet neue Patienten-Initiative

Wie im Vorfeld mit dem Vorstand diskutiert, ist aus der DPG-Arbeitsgruppe „Netzwerke“ eine ad hoc Initiative für ein Redaktionsboard Parkinsoninformationen hervorgegangen.

Frank Elstner zur Förderung der Parkinson-Forschung

Der an Parkinson erkrankte Fernsehmoderator Frank Elstner betont in einem Statement in der Zeitschrift "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G)" seine Hoffnung auf eine bessere Parkinsontherapie durch die Forschung.

Zweite Fachtagung der deutschen Parkinson-Netzwerke am 3. und 4. Dezember 2021

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung im vergangenen Winter veranstaltet die Arbeitsgruppe „Netzwerke und Versorgung“ die zweite Fachtagung der deutschen Parkinson-Netzwerke.

Parkinson multidisziplinär behandeln

Für eine ganzheitliche und effiziente Versorgung von Menschen mit Parkinson müssen Fachkräfte aus der Medizin, der Pflege sowie der Sprach-, Ergo- und Bewegungstherapie eng zusammenarbeiten.

DPG-Logo mobil

dpg logo