Neue Perspektiven für Forschung und Therapie: Rückblick auf den Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2026 mit 1200 Fachleuten in Leipzig

Fortschritte in der Frühdiagnostik, vielversprechende Studien zu krankheitsmodifizierenden Medikamenten, neue Ansätze der KI-gestützten Hirnstimulation: „Die Parkinson-Forschung könnte aktuell nicht spannender sein“, lautete das Fazit der Expertinnen und Experten aus Medizin und Forschung auf dem Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen 2026. Rund 1200 Fachleute aus Neurologie, Psychiatrie und Geriatrie sowie aus Pflege und Therapie kamen in Leipzig zusammen. In Vorträgen von über 230 Referierenden diskutierten sie aktuelle Erkenntnisse und Perspektiven bei Parkinson und Bewegungsstörungen. „Der Kongress bringt Wissenschaft und Praxis zusammen. Aus den persönlichen Begegnungen ergeben sich inspirierende neue Impulse“, betonte Prof. Joseph Claßen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig und zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG).

Im Mittelpunkt stand das Leitthema „Vom Gen zum System – Der kinetische Code“. Es spiegelt auch einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Parkinson wider: „Die Erkrankung wird zunehmend nicht mehr nur als motorische, sondern als komplexe multisystemische und möglicherweise molekular definierte Erkrankung betrachtet“, so Prof. Claßen. Das wissenschaftliche Programm umfasste das ganze Spektrum der Bewegungsstörungen, auch Ataxien, Chorea, Dystonien, Spastik, Tics und Tremor. Die DPG hat es mit dem Arbeitskreis Botulinumtoxin (AK-BoNT) und der Arbeitsgemeinschaft Tiefe Hirnstimulation (THS) organisiert.

Zukunft der Therapie: Keynotes zeigen neue Ansätze

In den Keynotes wurde deutlich, wie breit die aktuellen Forschungsansätze sind: Prof. Maiken Nedergaard (Rochester, USA / Kopenhagen, Dänemark) stellte die Rolle des von ihr und ihrer Arbeitsgruppe beschriebenen glymphatischen Systems vor, das insbesondere im Schlaf Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn entfernt. Schlaf rückt damit neben Bewegung und Ernährung als eigenständiger Faktor in den Vordergrund, der den Verlauf und das Risiko der Erkrankung maßgeblich beeinflussen kann. Prof. Andreas Horn (Köln) zeigte, wie Netzwerkmodulation im Gehirn künftig spezifische Symptome bei Parkinson und anderen neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen gezielt verbessern könnte. Neue und für die Therapie relevante Konzepte der Spastizität präsentierte Prof. Bo Biering-Sørensen (Kopenhagen). Die erst kürzlich gegründete DPG-Arbeitsgruppe „Junge Parkinsonforschung“ präsentierte in ihrem eigenen Symposium aktuelle Forschungsprojekte und stärkte die Vernetzung und Sichtbarkeit junger Parkinsonforschender. Auch im weiteren Kongressprogramm hatte der wissenschaftliche Nachwuchs umfassend Gelegenheit, eigene Arbeiten vorzustellen und sich einzubringen.

Hands-on und interdisziplinär: Praxis-Transfer im Fokus

Neben der Forschung stand der Transfer in die Praxis im Fokus. Zwölf Fortbildungsseminare mit Hands-on-Charakter – etwa zu Muskelsonographie, Botulinumtoxin-Therapie oder Hirnparenchymsonographie – vermittelten anwendungsnahes Wissen für den klinischen Alltag. Das multidisziplinäre Forum förderte den interprofessionellen Austausch und griff Themen der Versorgung auf – von regionalen Parkinson-Netzwerken bis zur evidenzbasierten Integration von Bewegung und anderen Lebensstilfaktoren in Prävention und Therapie. Beim Patienten- und Angehörigentag, der dem Kongress angegliedert war, zeigten über 100 Teilnehmende großes Interesse an Neuigkeiten aus Forschung und Therapie.

Wissenschaft trifft Praxis: Feedback zum Kongress

Der Kongress wurde vor allem für den intensiven kollegialen Austausch zwischen Wissenschaft und Forschung, die Praxisnähe und die thematische Breite geschätzt. „Ein ausgewogener, hervorragend organisierter Kongress, um sich auf den neuesten Stand zu bringen“, lautete ein typisches Feedback der Teilnehmenden. „Mit seinem interdisziplinären Ansatz und dem Fokus auf Translation von Grundlagenforschung in klinische Anwendung ist der Kongress das zentrale Forum für Forschung und Versorgung bei Parkinson und Bewegungsstörungen in Deutschland“, betonte Prof. Brockmann, erste Vorsitzende der DPG.

Einen Rückblick bieten die Veranstalter unter www.dpg-kongress.de sowie auf Instagram und auf LinkedIn. Aktuelle Forschungsergebnisse sind im Video-Mitschnitt der Pressekonferenz und in der Pressemappe auf www.parkison-gesellschaft.de/presse zusammengefasst.

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Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Organisiert sind in der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft Parkinson-Ärztinnen und Ärzte, Grundlagenforscher:innen und andere Berufsgruppen mit einschlägiger qualifizierter Ausbildung. Die Zusammenarbeit ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die DPG finanziert ihre Arbeit ausschließlich über Spenden. Sie kooperiert eng mit der von ihr im Jahr 2019 gegründeten Parkinson Stiftung. Jeder finanzielle Beitrag bringt die Erforschung der Parkinson-Krankheit weiter voran. www.parkinson-gesellschaft.de

1. Vorsitzende: Prof. Dr. Kathrin Brockmann, Tübingen
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Joseph Claßen, Leipzig
3. Vorsitzende: Prof. Dr. Brit Mollenhauer, Göttingen
Schriftführer: Prof. Dr. med. Carsten Eggers, Bottrop
Schatzmeister: Prof. Dr. med. Lars Tönges, Bochum

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